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Beveridge-Kurve Schweiz: Sichtbar, messbar, veränderbar
von Jobmaps am .
Die Beveridge-Kurve zeigt, was im Schweizer Arbeitsmarkt bremst. Seit 2009 driftet sie nach aussen. Friktionen sind messbar – und veränderbar.
In den letzten Beiträgen haben wir zwei Seiten angeschaut. Arbeitgeber: Der Markt wächst, die Löhne stagnieren, Rekrutierung kostet – KMU zahlen die Zeche. Arbeitnehmer: Unzufrieden, aber sesshaft, weil die Jobsuche sich nicht lohnt. KMU wären attraktiv, sind aber unsichtbar.
Beides sind Symptome desselben Problems. Die Beveridge-Kurve macht es sichtbar. Wir haben die Daten des BFS analysiert – nach bestem Wissen, nicht als Arbeitsmarktforscher. Was wir sehen, ist ein Muster.
Beveridge-Kurve: Was sie über den Arbeitsmarkt verrät
Die Beveridge-Kurve setzt zwei Grössen ins Verhältnis: Erwerbslosenquote und offene Stellen.
In einem funktionierenden Markt bewegen sie sich gegenläufig. Viele Arbeitslose, wenige offene Stellen – oder umgekehrt. Angebot und Nachfrage finden zueinander, der Markt räumt.
Wenn die Kurve nach aussen driftet, heisst das: Bei gleicher Arbeitslosigkeit bleiben mehr Stellen unbesetzt. Jobs und Menschen sind da – aber sie finden nicht zueinander.
Das nennt man sinkende Matching-Effizienz. Oder einfacher: steigende Friktionen.
Arbeitsmarkt Schweiz: Die Kurve driftet nach aussen
Von 1992 bis etwa 2008 bewegte sich die Kurve entlang einer stabilen Linie. In Rezessionen stieg die Arbeitslosigkeit, die offenen Stellen sanken. In Boomphasen umgekehrt. Der Markt reagierte.
Ab 2009 verschiebt sich das Bild. Die Kurve wandert nach oben – bei gleicher Erwerbslosenquote mehr offene Stellen. Der Trend verstärkt sich ab 2019: Die roten Punkte liegen deutlich über den grauen.
2022 lag die Vakanzquote bei über 2.5 Prozent, bei einer Erwerbslosenquote von rund 4 Prozent. Heute pendelt sie um 1.7 Prozent – immer noch höher als der historische Schnitt.
Das ist der Outward Shift. Jobs und Menschen sind da – aber sie finden nicht zueinander.
Eigene Berechnungen Jobmaps, Erwerbslosenstatistik ILO, Beschäftigungsstatistik BESTA, Erwerbstätigenstatistik ETS
Friktionen senken: Mechanik, kein Schicksal
Die Kurve zeigt, was wir in den vorherigen Beiträgen beschrieben haben – jetzt in Zahlen. Hohe Vakanzkosten (k), hohe Suchkosten (cw) – wie in Teil 2 erklärt.
Beides zusammen drückt die Matching-Effizienz (e). Die Kurve driftet nach aussen.
Aber: Das ist Mechanik, kein Naturgesetz. Wer k senkt, macht es Arbeitgebern leichter. Wer cw senkt, macht es Arbeitnehmern leichter. Wer beides tut, verschiebt die Kurve wieder nach innen.
Die Beveridge-Kurve zeigt das Problem – und sie zeigt, dass es lösbar ist. Nicht durch mehr Budget. Nicht durch lauteres Rufen. Sondern durch weniger Reibung. Wie genau, wissen wir nicht. Aber wir versuchen, einen Beitrag zu leisten. Damit Suchen sich wieder lohnt – für Menschen, die arbeiten wollen, und für Betriebe, die Menschen brauchen.
Quellen:
BFS, Erwerbslosenstatistik (ILO)
BFS, Beschäftigungsstatistik (BESTA)
BFS, Erwerbstätigenstatistik (ETS)
SECO, Arbeitsmarktindikatoren
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