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Jobwechsel Schweiz: Unzufrieden, aber sesshaft

8% engagiert, 55% sehen Chancen, kaum jemand wechselt. Warum die Jobsuche in der Schweiz nicht funktioniert – und was KMU damit zu tun haben.

Im vorherigen Beitrag haben wir die Arbeitgeberseite angeschaut: Der Markt wächst, die Löhne stagnieren, die Rekrutierung kostet – vor allem KMU. Jetzt drehen wir die Perspektive. Was passiert auf der anderen Seite – bei den Menschen, die arbeiten? Wir haben uns die Zahlen angeschaut. Sie überraschen.

Schweizer Arbeitnehmer: Unzufrieden, aber sesshaft

Gallup misst jedes Jahr, wie Menschen weltweit über Arbeit denken. Die Daten für die Schweiz zeigen ein Paradox.

Nur 8 Prozent fühlen sich wirklich engagiert. Einer von zwölf. Gleichzeitig sagen 55 Prozent, es sei ein guter Zeitpunkt für einen Wechsel. Mehr als die Hälfte sieht Chancen.

Aber: Nur 22 Prozent denken ernsthaft daran, ihre Stelle zu verlassen. Die Schweiz liegt damit auf Platz 37 von 38 in Europa. Fast Schlusslicht.

Wenig Freude, viel Optimismus, kaum Bewegung. Die Mobilität sinkt zudem mit dem Alter – bei 55- bis 64-Jährigen ist die Wechselwahrscheinlichkeit 3.5-mal tiefer als bei 15- bis 24-Jährigen. Nicht weil ältere Arbeitnehmer zufriedener wären. Sondern weil mehr auf dem Spiel steht.

Jobsuche Schweiz: Der Aufwand lohnt sich nicht

Vielleicht liegt es nicht an den Menschen. Vielleicht liegt es an der Erfahrung.

Die JobCloud-Studie zeigt: 52 Prozent der Bewerbenden erhalten keine Antwort. Keine Absage, keine Rückmeldung – nichts. Gleichzeitig dauert eine Bewerbung im Schnitt eine Stunde. Das Motivationsschreiben frisst die meiste Zeit.

Wer das ein paar Mal erlebt, hört auf zu suchen. Nicht weil er nicht will – sondern weil es sich nicht lohnt. Der Aufwand ist hoch, das Ergebnis unsicher, die Erfahrung frustrierend.

30 Prozent der Befragten sind offen für neue Stellen, suchen aber nicht aktiv. Sie warten. Worauf? Vielleicht auf eine Gelegenheit, die zu ihnen kommt. Vielleicht auf einen ersten Schritt, der sich lohnt.

KMU als Arbeitgeber: Attraktiv, aber unsichtbar

Hier wird es interessant. KMU sind beliebter als ihr Ruf.

Studien der ZHAW zeigen: Kleine Unternehmen mit 10 bis 49 Mitarbeitenden stehen bei Jobsuchenden ganz oben – besonders bei Jüngeren. Mittlere Unternehmen mit 50 bis 249 Mitarbeitenden sind über alle Altersstufen attraktiv.

Die Gründe liegen auf der Hand: kurze Wege, echte Verantwortung, Entscheidungsfreiheit, persönlicher Umgang. Was Konzerne mit Employer Branding simulieren, ist im KMU Alltag.

Das Problem ist nicht die Attraktivität. Das Problem ist die Sichtbarkeit. Wer nicht gefunden wird, kann nicht gewählt werden. Und wer frustriert ist von der Jobsuche, sucht nicht weiter.


Zwei Seiten, ein Problem. Arbeitgeber kämpfen mit Kosten. Arbeitnehmer kämpfen mit einer Suche, die sich nicht lohnt. Die Verbindung fehlt – nicht weil niemand will, sondern weil der Aufwand zu hoch ist.

Für KMU heisst das: Die Stärken sind da. Die Attraktivität ist da. Was fehlt, ist eine Brücke. Ein erster Schritt, der sich lohnt – für beide Seiten.

Dass das kein Bauchgefühl ist, zeigt die Beveridge-Kurve. Dazu mehr im nächsten Beitrag.

Quellen:

  • Gallup, State of the Global Workplace 2024

  • JobCloud, Arbeitsmarkt-Studie Schweiz 2021

  • ZHAW, Studie zur Attraktivität von KMU als Arbeitgeber

  • BFS, Erwerbstätigenstatistik



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